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Moderner Aberglaube
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Vorwort
Längst nicht alles von dem, was heutzutage von der Mehrzahl der Menschen für wahr gehalten wird, hält einer näheren Überprüfung stand. Das ist zwar in der Regel nicht weiter schlimm und manchmal bereichern moderne Märchen sogar die Stammtische und das Leben. Doch spätestens dort wo auf Grund irriger Annahmen Politik oder politische Meinung gemacht wird, sollte der Spaß aufhören.
Nicht bei allen der folgenden Beiträge geht es übrigens um politisch relevante Themen.
Sinkende Lohnkosten schaffen Arbeitsplätze
Wenn es denn so einfach wäre! Aber, wie unsere Unternehmer ja selbst immer sagen, besteht ihre Aufgabe im Geld verdienen und nicht darin, möglichst viele Leute zu beschäftigen. Folglich orientiert sich ein Wirtschaftsunternehmen bei seiner Beschäftigungspolitik auch nicht daran, wie viele Mitarbeiter man mit den vorhandenen Geldmitteln beschäftigen könnte, sondern daran, wie viele Beschäftigte man zwingend benötigt um die für den aktuell möglichen Absatz erforderliche Produktion zu schaffen. Kurzum: Der Absatz muss steigen, wenn wieder vermehrt eingestellt werden soll.
Bei sinkenden Löhnen ist es allerdings schwer vorstellbar, dass der Absatz im Inland steigt, da sich Verbilligung der Produkte und Lohnsenkung bestenfalls die Waage halten können. Folglich muss er im Ausland erfolgen, was deshalb gelingen kann, weil wegen der niedrigeren Lohnkosten auch niedrigere Preise erzielt werden können. Das Ergebnis einer Lohnsenkung wäre also im günstigsten Fall: Mehr Arbeit für Alle, bei insgesamt gleich bleibendem Wohlstand. (Es sei denn, auch im Ausland werden die Lohnkosten gesenkt. Dann ist alles wieder beim Alten.) Ist dies wirklich das was wir erreichen wollen???
Die Bewohner der übrigen Welt könnten sich dagegen freuen: Sie können sich nun mehr leisten, da die Deutschen Waren plötzlich sooo billig sind ...
Fazit: Preissenkungen sind nur dann sinnvoll, wenn auf Grund von mangelhaften Produkten die Preise nicht akzeptiert werden. Das ist aber offenbar nicht der Fall: Die Deutschen sind immer noch Großexporteure und legen weiterhin, wenn auch verhalten, zu.
Gewinn und Verlust von Arbeitsplätzen
Kaum ein Begriff wird so häufig zur politischen Argumentation herangezogen wie der des Arbeitsplatzes. Doch egal ob ein Verlust an Arbeitsplätzen droht oder ob Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, stets wird das Ganze kurzsichtig und einseitig betrachtet. Anschließend wundert man sich dann darüber, dass trotz einer großen Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze die Arbeitslosenquote nicht oder kaum gesunken ist. Oder dass sie trotz vieler Firmenpleiten nicht steigt, je nachdem.
Der Grund hierfür liegt darin, dass man beispielsweise bei einer Firmenpleite die Sache so betrachtet: Die Firma hatte 10000 Beschäftigte, nun ist sie pleite und damit erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen um 10000. Punkt!
Doch tatsächlich zieht die Sache weit mehr Folgen nach sich: Die Firma hat ja noch einiges in ihren Auftragsbüchern, das sie nun nicht mehr ausführen kann. Und sie hätte auch in Zukunft weiter Aufträge bekommen, wenn nicht dummerweise ... Was passiert nun mit diesen Aufträgen? Es ist kaum zu erwarten, dass die betreffenden Auftraggeber sagen werden: "Na, dann lassen wir's eben sein." Also werden die betreffenden Aufträge (und die, die es erst in Zukunft geben wird) eben an andere Firmen vergeben. Diese werden die zusätzliche Arbeit kaum ohne zusätzliche Mitarbeiter schaffen und stellen nun vermehrt ein. Und schon sind wieder rund 10000 Menschen in Lohn und Brot. (Dabei muss es natürlich nicht sein, dass es dieselben 10000 sind, die zuvor entlassen wurden.)
Im Prinzip genauso geht es mit neu geschaffenen Arbeitsplätzen. Nur eben umgekehrt.
Man muss die Arbeitslosen zur Arbeit zwingen
Wenn wir beispielsweise 4 Millionen Jobs und 400000 Arbeitslose hätten, dann könnte man ja wenigstens eine gewisse Logik dahinter sehen. Aber die aktuellen Verhältnisse sind ja bekanntlich umgekehrt und ebenso bekannt ist, dass viele Arbeitslose geradezu unglücklich sind über die viele Freizeit die sie nun haben. Man muss sie also gar nicht zwingen, nur einen angemessenen Arbeitsplatz (also nicht unbedingt einen Billigjob) muss man ihnen bieten.
Was diejenigen anbelangt, die tatsächlich zum Arbeiten keinerlei Lust verspüren (auch die gibt es natürlich, nur ist es eben lediglich eine Minderheit unter den Arbeitslosen), so muss man sich ernsthaft fragen, welchen Sinn es denn haben soll, diese Menschen zur Arbeit zwingen zu wollen. Möchten sich unsere Arbeitgeber das wirklich antun, derart unmotivierte Arbeitskräfte zu beschäftigen? Und was käme letztendlich für die Volkswirtschaft dabei heraus? Würden in unserer modernen Arbeitswelt, die mehr denn je auf Mitdenken und Eigeninitiative baut, völlig unmotivierte Arbeitskräfte nicht eher mehr schaden als nutzen?
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